Automatisches Verhalten bei Angst: Darwin und die Schlange (Teil 1)

Automatisches Verhalten (Verhaltensmuster) bei Angst dargestellt am Beispiel von Darwin und seinem Verhaltensexperiment mit einer Puffotter

Automatisches Verhalten bei Angst: Darwin und die Schlange (Teil 1)

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Bei Angst reagieren wir mit automatischen Verhaltensmustern

Ich habe Biologie studiert und interessiere mich sehr für Verhaltensexperimente. Charles Darwin zum Beispiel, hat vor etwa 150 Jahren mit einem Selbstversuch viel über den Zusammenhang von Gedanken, Gefühlen und Verhalten herausgefunden. „Darwin und die Schlange“ nenne ich jetzt mal diesen Versuch. Egal, ob ich seinen Bericht als Biologin oder Therapeutin lese – er ist über die Grenzen von Wissenschaftsdisziplinen interessant, auch für meinen Alltag. Noch dazu kann ich aus diesem anschaulichen Bild Allgemeingültiges über Gedanken, Gefühle und automatisches Verhalten (Verhaltensmuster) ableiten. Und das Bild von Darwin vor dem Terrarium ist eine tolle Merkhilfe – vielleicht auch für Sie?

Automatisches Verhalten und Muster: Darum geht es

In „The Expression of Emotion in Man and Animals“ beschreibt Darwin auf Seite 18 ein Verhaltensexperiment, das er im Zoologischen Garten – ich meine es war in London – gemacht hat. Darwin ging also in den Zoo, um eine Puffotter zu betrachten. Die Puffotter ist eine Giftschlange und ihr Biss ist sehr gefährlich. Heute können wir zum Beispiel bei Wikipedia nachlesen, dass sie für die meisten gefährlichen Giftschlangenbisse in Afrika verantwortlich ist.

Darwin legte also sein Gesicht ans Glas des Terrariums und sagte sich, dass er nicht zurückweichen muss, falls die Schlange angreift, weil er ja durch das Glass geschützt sei. Diese Gedanken halfen ihm allerdings wenig. Denn in dem Moment, in dem die Schlange angriff, sprang er zurück. Er beschreibt (frei übersetzt): „Mein Wille und meine Vernunft waren machtlos gegen die Vorstellung einer Gefahr, die zu keiner Zeit vorhanden war.“

Falls Sie das Zitat im Original nachlesen möchten: “[…] A similar winking movement …”

Verhaltensmuster identifizieren: Wie kann Darwins 150 Jahre alte Erkenntnis heute für mich hilfreich sein?

Ich betrachte dieses Experiment einmal aus vier Perspektiven:

A) Es gibt einen unbewussten Mechanismus, der uns vor Gefahren schützt: Eine automatische Fluchtreaktion vor einer giftigen Schlage. Das ist gut! Darwin differenziert hier aber auch zwischen Schreckreflex und ein durch eine Emotion ausgelösten automatischen Verhalten. Fazit: Emotionen können hilfreich sein. Ich kategorisiere belastende Emotionen jetzt nicht mehr als allgemein „hinderlich“ oder „störend“, sondern überlege mir, welcher Schutzmechanismus dahinter stecken könnte.

B) Obwohl Darwin sich beruhigend zuredet und sich sagt, dass er in Sicherheit ist, reagiert er automatisch mit Zurückweichen. Er kann dieses Muster, diesen automatischen Impuls, nicht willentlich unterbrechen. Das kognitive Denken scheint keinen Einfluss zu haben. Es ist der automatischen Reaktion untergeordnet! Fazit: Unter Stress ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich in automatischen Mustern reagiere. Bin ich im Stress und möchte mein Verhalten ändern, dann helfen mir Ratschläge und gutes Zureden wahrscheinlich wenig. Ich habe daraus gelernt, erst meinen Stresslevel zu senken und dann nachzudenken. Beziehungsweise den Stress am besten regelmäßig präventiv zu reduzieren.

C) Darwin hatte vorher nie Kontakt mit einer giftigen Schlage. Sei Verhalten (Verhaltensmuster = Zurückweichen) richtete sich also nicht nach eigener Erfahrung oder dem augenblicklichen Moment. Er weicht zurück, weil er etwas über giftige Schlangen gelernt hatte und sich vorstellt, was passieren könnte. Fazit: Die bloße Vorstellung kann eine Stressreaktion verstärken oder Angst auslösen, selbst wenn diese Vorstellung irreal ist. Angst wird ausgelöst, wenn ich mir vorstelle, dass mir in der Zukunft etwas passieren könnte. Sogar wenn ich im Moment der Vorstellung in Sicherheit bin.

D) Er war amüsiert! Trotz Schreck und seiner Reaktion auf eine scheinbare Gefahr. Nach dem Zurückweichen war ihm schnell wieder klar, dass er sich in Sicherheit befindet. Fazit: Emotionen sind von kurzer Dauer. Sobald wir uns sicher fühlen, können wir klar denken. Erleichterung und das Wissen in Sicherheit zu sein, sorgt für angenehme Gefühle nach dem Schreck (daher wohl auch die Lust auf Horrorfilme und Achterbahnen).

Die Bedeutung von automatischen Verhaltensmustern für Beratung oder Psychotherapie

Ich kann diese Erkenntnisse (A-D) auch auf die Methoden in Beratung und Psychotherapie übertragen. Angst ist eine Schutzfunktion und hilft mir in gefährlichen Situationen schnell zu reagieren. Zusätzlich lerne ich, dass Menschen auch dann Angst empfinden können, wenn sie sich in Sicherheit befinden. Alleine die Vorstellung, dass etwas passieren könnte, lässt den Körper reagieren.

Automatische Verhaltensmuster sollen uns schützen

Übertragen wir diese Erkenntnisse auf die Sitzungen, so wird schnell klar, dass sich viele Menschen zwar wünschen, belastende Gefühle wie Angst, Schuld oder Scham “wegzumachen”. Das ist meiner Meinung nach jedoch unrealistisch und wenig hilfreich. Denn belastende Gefühle zeigen etwas auf:

„Es stimmt etwas nicht und ich habe eine Vorstellung von einer Gefahr. Ich spüre nicht, dass ich in Sicherheit bin.“

Wenn Sie diese “Warnung” ernst nehmen, werden die belastenden Gefühle meist schwächer. Sie analysieren die Situation in der Sie sich jetzt gerade befinden und können feststellen, dass Sie momentan in Sicherheit sind. Dass die unangenehmen Körperreaktionen durch die Gedanken ausgelöst werden, die Sie sich machen. Dann können Sie vielleicht auch die “Gedankenfehler” entlarven, die mit spezifischen Selbsthilfeübungen bearbeitet werden können.

Irgendein Gedanke in Ihnen lässt Sie nämlich glauben, dass die Situation für Sie negativ oder bedrohlich ist. Ist dieser Gedanke gefunden, hilft ein Perspektivwechsel dabei, die eigene Vorstellung zu verändern. Das Ziel dabei ist, von der Vorstellung „Gefahr“ hin zur Vorstellung „Sicherheit“ zu wechseln. Als Ergebnis bleiben dann nämlich auch die belastenden Gefühle aus!

Perspektivwechsel und Achtsamkeit

Wie erreicht man einen Perspektivwechsel? In der Beratung oder Psychotherapie zum Beispiel durch Analyse und Hinterfragen von Gedanken. Anhand von Skizzen, Bildern, Imaginationen oder im Gespräch. Kunsttherapeutische Methoden können dabei sehr hilfreich sein. Ich leite Sie durch den Prozess.

Automatische Verhaltensmuster verändern: Reden reicht nicht!

Von Darwin lernen wir schon mal, dass „gut zureden“ nicht hilft. Schon gar nicht, solange die Belastung (zum Beispiel Angst) spürbar ist. Deshalb haben in meiner Praxis Achtsamkeits- und Atemübungen einen wichtigen Stellenwert. Erst wenn die Entspannung spürbar wird, Sie sich in Sicherheit fühlen und sich von eingefahrenen Gedanken distanzieren können, können Sie kreativ und offen denken. Und Ihre persönliche Lösung entwickeln.

Nachhaltig statt Kurzzeiteffekte

Zurück zum schnellen „Wegmachen“ von belastenden Gefühlen. Schauen wir auf den dritten Punkt in der Darwin-Geschichte. Sein Wissen über die Giftigkeit der Schlange haben ihn reagieren lassen. Unser Wissen, alles was wir erlebt haben, prägt unser Denken, Fühlen und Handeln. Als Schutzmechanismus. Diese Verhaltensmuster wollen uns davor bewahren, dass wir wieder in gefährliche, bedrohliche, peinliche oder unangenehme Situationen geraten – so wie früher mal.

Verdrängen oder wegschieben hilft also nicht. Die belastenden Gefühle kommen wieder oder sie zeigen sich in anderen Situationen. Solange Sie also ihre belastenden Gedanken glauben (z.B. „Das wird bestimmt unangenehm für mich.“), solange werden die belastenden Gefühle wiederkommen.

Und wie Darwin bemerkt hat kann es passieren, dass diese Gedanken dem Bewusstsein gar nicht mehr zugänglich sind. Wir hören nicht mehr die Sätze dazu. Es folgt nur noch ein automatisches Handeln auf einen bestimmten Reiz. Und die unangenehme Körperreagktion.

Ist das bei Ihnen der Fall, begleite ich Sie gerne auf dem Weg, diese Gedanken wieder bewusst wahrzunehmen und zu bearbeiten. Oder mit Hilfe von non-verbalen Techniken aus der Kunsttherapie. Damit eine nachhaltige Veränderung ermöglicht werden kann.

Herzliche Grüße aus Garbsen

Claudia Berger

Literaturangabe:

Darwin C. (1872) The Expression of the Emotions in Man and Animals. John Murray London


OFFEN . ANDERS . GUT – Wie Sie persönliche Veränderungen erreichen

Theorie und Wissen alleine bewirken keine Verhaltensänderung. Also auch nicht das Lesen von Blog-Artikeln. Wenn Sie etwas „verstehen“ oder „einsehen“, wird sich nicht viel in Ihrem Alltag verändern. Allerdings motivieren uns Wissen und Erkenntnisse, Veränderungen in Angriff zu nehmen! Wenn Sie sich von Ihrer persönlichen Situation „ein Bild machen wollen“ und die damit verknüpften (negativen) Gedanken und Gefühle bearbeiten möchten, dann sind Sie bei mir richtig.

In der Region Hannover gibt es viele freie Anbieter zu Coaching, Beratung und Psychotherapie. Was mich auszeichnet? Mit mir sprechen Sie nicht über Probleme, mit mir finden Sie Lösungen – auf Wegen, die Sie bisher noch nicht gegangen sind. OFFEN . ANDERS . GUT

Dr. rer. nat. Claudia Berger, Heilpraktikerin für Psychotherapie – Psychotherapie, Psychosoziale Beratung, Psychologische Beratung und Kunsttherapie in Garbsen (Region Hannover), Praxis und Atelier im Gesundheitszentrum Garbsen, Kontaktformular