„Eigentlich bin ich ganz anders“

„Eigentlich bin ich ganz anders“

„Eigentlich bin ich ganz anders“ 2560 1810 Kunst-Therapie-Hannover

Sprach-Vernebelung durch das Wort „eigentlich“ im Alltag und im therapeutischen Kontext (Teil 2)

Warum benutze ich eigentlich das Wort „eigentlich“?

Beim Schreiben des ersten Blog Beitrags über das Wort „eigentlich“ – „Eigentlich nicht – oder doch?“ – sind mir so viele Beispiele eingefallen, dass es gleich noch für einen zweiten Teil reicht. Im Austausch mit Kollegen, Klienten und Freunden habe ich viel Input bekommen und vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen auch noch in einem dritten Teil darüber, wie uns diese Erkenntnisse bei Entscheidungen helfen könnten.

Hypnotische Sprachmuster vernebeln Aussagen und Gesprächspartner

Doch erst einmal zu einem spannenden Phänomen, das mit der Verwendung des Wortes „eigentlich“ verbunden ist: Die Vernebelung. Denn mit Sprache versetzten wir uns und andere manchmal in eine Art Trance. Das ist sehr spannend, nicht nur für Therapeuten.

Bekannt ist diese „Vernebelung“, als hypnotisches Sprachmuster. Es wurde insbesondere durch die Arbeit von Milton Erickson bekannt, der diese Sprachmuster bei der Hypnose einsetzte. Er nutzte in den Therapien eine vage und verschwommene Sprache, um bei den Patienten eine leichte Trance zu induzieren und um somit seine Suggestionen leichter zu vermitteln.

Das machen nicht nur Hypnotherapeuten. Darin sind wir auch im Alltag Meister. Kennen Sie nicht? Dann analysieren Sie weiter mit mir den Gebrauch des „eigentlich“.

Eigentlich bin ich nicht“ oder doch? – Wie man eine Information übermitteln kann, ohne dabei konkret zu werden

Analysieren wir das gleich gemeinsam an einem konkreten Beispiel und gehen dazu gedanklich zurück ins Atelier. Ich überzeichne das konstruierte Beispiel extra ein wenig: „Eigentlich gefällt mir mein Bild nicht.“ sagt ein Teilnehmer. Dieser Satz wird nebenbei erwähnt und es folgt ein Monolog über all das, was NICHT geglückt ist.

Ich höre, dass das Bild nicht so geworden ist, wie in seiner Vorstellung und erfahre vielleicht auch noch, dass der Malende es am liebsten gar nicht zeigen würde. Ich werde eingehüllt von negativen Aussagen und doch schwingt da eine gewisse Ambivalenz mit. Denn „eigentlich“ gefällt irgendetwas ja irgendwie doch. Aber was ? Das ist für mich nicht greifbar.

Eigentlich nicht oder doch? Vergrößerter Ausschnitt von einer Malwand. Viele Farben und Linien. Bunt. Pinselstriche sind sichtbar.

„Eigentlich gefällt mir mein Bild nicht.“

 Irgendwie bleibt etwas unklar. Das Wort „eigentlich“ vernebelt die Aussage. Statt einem klaren Statement „Das gefällt mir.“ oder „Das gefällt mir nicht.“ schwingt das „eigentlich beides“ durch den Raum. Der „eigentlich“-Satz ist eingebettet in einen Kontext, aus dem der Zuhörende sich die Bedeutung selber erschließen kann / soll / muss.

Die Aussage darüber, ob und was an dem Bild gefällt bleibt vage. Die Aussage wird vernebelt – und die Gesprächspartner gleich mit.

Eigentlich bin ich …“ – der Nebel lichtet sich

Und da sich die meisten Klienten etwas mehr Klarheit wünschen, wenn sie in die Therapie oder zur Psychosozialen Beratung kommen, unterbreche ich häufig das Gespräch nach einem „eigentlich“.

Dann können wir uns Zeit nehmen und den Nebel etwas lichten. Wir können erforschen, welche Mehrdeutigkeiten im Raum stehen.

Manchmal benutzen wir dazu auch die kleinen Holzfiguren oder Notizzettel. Wir schieben sie kreativ hin und her. Tauschen uns aus. Nehmen wahr. Vergleichen. Verändern.

Solange, bis Sie erkennen, was Sie tatsächlich möchten und was Ihr Ziel ist. Und bis wir beide sicher sind, dass ich Sie genau verstanden habe.

Eigentlich bin ich ganz anders …

„Eigentlich gefällt mir mein Bild nicht.“ Höre ich, frage nach und erfahre vielleicht Folgendes:

  • „Die Farben gefallen mir, das Motiv gefällt mir nicht.“
  • „Da ist ein kleiner Strich auf der linken Seite, den möchte ich noch wegradieren.“
  • „Ich möchte das Bild wegwerfen. Ich werfe das Bild aber nicht weg, weil ich glaube, dass man das nicht machen sollte.“

„Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes malen.“ Höre ich, frage nach und erfahre vielleicht Folgendes:

  • „Ich bin mit einer bestimmten Idee ins Atelier gekommen. Ich habe die Idee verworfen, weil mich hier etwas anderes inspiriert hat.“
  • „Ich habe mit einer Idee angefangen. Beim Malen sind mir dann neue Assoziationen gekommen und ich habe mich umentschieden. Das ist neu für mich und ich fühle mich damit noch etwas unsicher.“
  • „Ich habe mit einem konkreten Motiv angefangen. Als die Farbe tropfte und das Bild verschmierte, habe ich mich umentschieden und etwas Abstraktes daraus gemacht.“

Sicher fallen Ihnen auch noch viele andere Themen ein, die hinter den beiden Aussagen stehen könnten. Die Antworten sind häufig erstaunlich konkret und meist auch ausführlich. Es lohnt sich also nachzufragen, was sich hinter dem „eigentlich“ verbirgt: Es lohnt sich dem Eigentlichen, dem Wesentlichen nachzugehen.

Das Wesentliche liegt hinter dem „eigentlich“ verborgen.

Kunst-Therapie-Hannover

Also lieber nachfragen, statt sich im eigenen Kopf auszumalen, was der andere mit dem „eigentlich“ eigentlich meinte. Als Kunsttherapeutin kann ich erst dann klientenzentriert begleiten, wenn ich die Antworten auf das, was hinter dem „eigentlich“ liegt, gehört habe. Vorher wären es eher meine eigenen Interpretationen und Bewertungen der Situation, die die Impulse zu Interventionen geben würden.

Der Nebel verschwindet und wir sehen klarer

Das Wesentlich ist nun also ausgesprochen. In Folge dessen kann sich auch aus einer eher vagen, negative Stimmung – die mit einem „Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes malen.“ ja durchaus mitschwingen kann –  ein positiver und individueller Austausch entwickeln.

Das ist dann auch ein Austausch über das „was ist“, über etwas Reales. Und dieser Austausch steht im Gegensatz zu einem Austausch über irgendwelche unbestimmten Gedankenkonstrukte. Der Nebel verschwindet und wir sehen klarer. Wir beide.

Es lohnt sich, die Mehrdeutigkeit hinter dem „eigentlich“ zu ergründen

Entdeckt man die Mehrdeutigkeit hinter dem „eigentlich“ und hinterfragt sie, kann man das Gespräch also raus aus der Gedankenwelt lenken und sich in den Wirklichkeitsbezug begeben. Sind wir unaufmerksam und nicht gegenwärtig, so sprechen wir häufig viel länger über das, „was eigentlich gemalt werden sollte“, als über das, was tatsächlich gerade gemalt wird. Und das ist nicht real.

Hört sich banal an und ist doch ganz wesentlich. Denn wir sind nur gegenwärtig und achtsam, wenn wir uns mit dem beschäftigen, was tatsächlich ist. Und dann – und nur dann – sind wir auch handlungsfähig.

Warum wir manchmal Nebel erzeugen

Mit dem „eigentlich“ werden also Stimmungen und Mehrdeutigkeiten, ja häufig sogar Gegensätzlichkeiten parallel vermittelt. Interessanterweise klappt das mit dem Wort „eigentlich“ sogar ohne die Mehrdeutigkeit oder das Gegenteil aussprechen zu müssen. Das Gespräch wirkt ganz automatisch etwas vernebelt, schwammig und uneindeutig. Das ist ganz schön geschickt von uns, oder?

Wir regen den anderen, unser Gegenüber, dazu an, diese Mehrdeutigkeiten hinzunehmen. Im gewissen Sinn, hilft uns das Wort „eigentlich“ eigentlich. Es hilft uns (scheinbar) besser nach den sozialen Normen und Regeln zu verhalten und trotzdem einfließen zu lassen, dass wir nicht ganz zustimmen. Beispiel aus Teil 1 „Eigentlich nicht – oder doch?“ :

„Eigentlich steht dir die neue Frisur ganz gut.“

Wie gut, dass es das Wort „eigentlich“ gibt! Die sozialen Normen oder meine/unsere Verhaltensregeln verlangen vielleicht gerade von mir, dass ich nicht so ganz deutlich sage, dass (oder was) mir an deiner Frisur nicht gefällt. Trotzdem kann ich recht höflich antworten. Denn ich kann damit meine Aussage vernebeln. Und den anderen gleich mit.

Wir können so verschleiern, dass wir uns gerade nach sozialen Normen und Regeln verhalten, obwohl es sich für uns nicht stimmig anfühlt. Und auch das nachfolgende Gespräch wird davon beeinflusst. Konkret an zwei Beispielen aus der Bildbesprechung im Atelier:

Beispiel 1

Eigentlich nicht oder doch? Vergrößerter Ausschnitt von einer Malwand. Viele Farben und Linien. Bunt. Pinselstriche sind sichtbar.

Ich habe ein Bild gemalt, zeige es den anderen und ich sage:

„Eigentlich gefällt mir mein Bild nicht“

Beispiel 2

Eigentlich nicht oder doch? Vergrößerter Ausschnitt von einer Malwand. Viele Farben und Linien. Bunt. Pinselstriche sind sichtbar.

Ich habe ein Bild gemalt und auch Schwarz verwendet. Ich sage:

„Eigentlich wollte ich nicht mit Schwarz malen.“

Beispiel 1: „Eigentlich gefällt mir mein Bild nicht“

  • Es folgen häufig Erklärungen über das, was NICHT gefällt. In der Gegenübertragung reagieren die anderen häufig in einem gegenteiligen Modus und sagen „Wieso, mir gefällt es“. Der Maler spricht über das, was nicht gefällt und hört vom Publikum, was daran gefällt.
  • Seltener wird die Gegenfrage gestellt: „Und was gefällt dir daran?“ was zu einer Umkehr der automatischen Interaktion führen würde. Als Antwort müsste nämlich dann der Maler über das sprechen, was ihm gefällt. Er würde das „Eigentliche“, das Wesentliche aussprechen.

Beispiel 2: „Eigentlich wollte ich nicht mit Schwarz malen.“

  • Es folgen häufig Erklärungen weshalb NICHT. In der Gegenübertragung reagieren viele Zuhörer in einem gegenteiligen Modus und sagen so etwas wie „Ich finde Schwarz aber auch schön“. Der Maler spricht über eine Farbe, mit der er nicht malen wollte und hört vom Publikum, weshalb es gut ist mit dieser Farbe zu malen.
  • Seltener wird die Gegenfrage gestellt: „Und was war daran gut?“ was auch zu einer Umkehr der automatischen Interaktion führen würde. Als Antwort müsste der Maler beschreiben, warum es stimmig war mit Schwarz zu malen. Er würde das „Eigentliche“, das Tatsächliche aussprechen.

Was kann man daraus lernen? Wenn man also etwas getan hat, von dem man glaubt, dass man es nicht hätte tun sollen, dann scheinen wir gerne das Wort „eigentlich“ zu wählen. Als scheinbaren Schutz. Interessant.

Als scheinbaren Schutz? Im günstigsten Fall begründen mir nämlich die anderen warum das, was ich gemacht habe, doch machbar ist. Das könnte mir neue Möglichkeiten eröffnen. Dann könnte ich das sichtbar werden lassen, was ich tatsächlich meine. Mir würde es dann vielleicht leichter fallen authentisch zu reden und zu handeln.

Oder aber die anderen bestätigen mich nicht, dann kann ich das, was hinter dem „eigentlich“ verborgen war auch im Verborgenen lassen.

Ist das nicht erstaunlich, was uns dieses kleine, scheinbar unscheinbare, Wort so alles ermöglichen kann?

 „Eigentlich“ – ja aber was genau? Was will ich eigentlich?

Wir haben bereits herausgefunden, dass nach „eigentlich“-Aussagen häufig ein „aber“ im Raum schwingt. In diesen aber-Nebensätzen ist dann das Gegenteil von dem beschrieben, was man ausgesprochen hat. Die Botschaft wird vernebelt gesendet:

„Eigentlich habe ich keine Zeit“  ( = Ich habe keine Zeit, aber ich nehme sie mir trotzdem.)

Da man das Wort „eigentlich“ meist spontan und unbewusst in die Sätze einbindet, kann man durch das genaue hinhören viel über sich lernen: Die eigene Idee steht scheinbar im Konflikt mit äußeren Strukturen. Wir können etwas über unsere Wahrnehmung der Situation lernen, in der wir uns befinden. Wie wir unsere jetzige Situation einschätzen und wie sie wirklich ist oder wie sie unserer Meinung nach sein sollte.

Mit den „eigentlich“ Sätzen beschreiben wir unbewusst die Wirklichkeit in Bezug zum äußeren Schein. Wir betonen, was unserer Meinung nach richtig ist oder wäre. Und wir grenzen unser Handeln von dem ab, was wir als wirklich oder scheinbar bewerten. Wir können daran auch erkennen, wie wir uns gerade in Bezug zur Wahrnehmung und Realität positionieren:

„Eigentlich hast du recht.“ „Eigentlich ist das alles gar nicht so schlimm.“

Beim genaueren Betrachten können wir sogar bemerken, ob wir bewusst und stimmig handeln oder ob wir unsere Absicht aufgegeben haben. Dem „Eigentlich habe ich keine Kraft mehr, das auch noch zu machen …“ folgt das ABER im Sinne von, „… aber ich mache es noch schnell fertig.“

Eigentlich habe ich keine Kraft mehr, das auch noch zu machen, aber ich mache es noch schnell fertig.“

In diesen Sätzen ist das unbewusste Wissen um das stimmige, bewusste Handeln enthalten. Hier wäre das zum Beispiel:

„Ich habe keine Kraft mehr und möchte eine Pause machen.“

Wie oft sagen Sie „Eigentlich wollte ich noch …“ „Eigentlich mag ich nicht …“ „Eigentlich sollte ich mehr …“ Eigentlich kann ich nicht auch noch …“ und ähnliches?

Daher habe ich weiter oben vom „scheinbaren“ Schutz gesprochen. Echter Schutz wäre ja, wenn ich so handeln würde, wie ich es brauche.

 „Eigentlich“ –  Täuschungen / Wer bin ich?

Erkennen wir, was wir im Grunde unseres Herzens gerne machen, dann müssen wir uns und andere nicht mehr täuschen. Auch dabei können Achtsamkeitsübungen und Entspannungsübungen helfen. Sie helfen uns gelassener zu werden, um die eigenen Werte, Ziele und Wünsche wahrnehmen zu können. Und um dann auch so zu handeln, wie wir tatsächlich handeln möchten.

Gelassenheit und Gegenwärtigkeit ist eine Basis, um selbstsicher handeln zu können, auch wenn andere Erwartungen an uns gerichtet sind. Das ist daher so wichtig, weil wir dann authentisch handeln können und „aushalten“, dass wir die Erwartungen der anderen nicht erfüllen (und die Konsequenzen tragen können, die das nach sich zieht).

Sind Sie erschöpft?

SELBSTTEST: Wie oft sagen Sie „Eigentlich wollte ich noch …“ „Eigentlich mag ich nicht …“ „Eigentlich sollte ich mehr …“ Eigentlich kann ich nicht auch noch …“ und ähnliches? Und was brauchen Sie tatsächlich?

Sind Sie erschöpft? Dann hören Sie sich einmal beim Reden und Denken zu und achten Sie auf Ihre ganz persönlichen „eigentlich“ Sätze und begeben sie sich auf die Suche nach dem, was Sie im Grunde schon jetzt über sich wissen.

„Was ich eigentlich wollte … .“

Was ich Ihnen mit diesem Beitrag sagen möchte? Wie spannend der achtsame Umgang mit unserer Sprache sein kann. Und wie hilfreich es für die Selbsterkenntnis sein kann – egal, ob Sie Therapeutin oder Klientin sind.

Offen. Anders . Gut

Ich wünsche Ihnen, dass Sie beim nächsten „eigentlich“ das „Eigentliche“ dahinter erkennen – und danach handeln können. Authentisch und frei.

Mit herzlichen Grüßen aus Garbsen

Claudia Berger


OFFEN . ANDERS . GUT – wie Sie persönliche Veränderungen erreichen

Theorie und Wissen alleine bewirken keine Verhaltensänderung. Also auch nicht das Lesen dieses Blog-Artikels. Wenn Sie etwas „verstehen“ oder „einsehen“, wird sich nicht viel in Ihrem Alltag verändern. Allerdings motivieren uns Wissen und Erkenntnisse, Veränderungen in Angriff zu nehmen! Wenn Sie sich von Ihrer persönlichen Situation „ein Bild machen wollen“ und die damit verknüpften (negativen) Gedanken und Gefühle bearbeiten möchten, dann sind Sie bei mir richtig.

In der Region Hannover gibt es viele freie Anbieter zu Coaching, Beratung und Psychotherapie. Was mich auszeichnet? Mit mir sprechen Sie nicht über Probleme, mit mir finden Sie Lösungen – auf Wegen, die Sie bisher noch nicht gegangen sind: OFFEN . ANDERS . GUT

Dr. rer. nat. Claudia Berger, Heilpraktikerin für Psychotherapie – Psychotherapie, Psychosoziale Beratung, Psychologische Beratung und Kunsttherapie in Garbsen (Region Hannover), Praxis und Atelier im Gesundheitszentrum Garbsen, Kontaktformular

PS: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Wort „eigentlich“ gemacht? Ich freue mich über Ihren Kommentar.

  • Liebe Claudia,

    deine zwei Texte zum Wort „eigentlich“ sind wirklich spannend und machen mir Lust, meine Gedanken noch mehr zu beobachten. Erst gestern habe ich mit einer Freundin telefoniert, die mir erzählte, sich heute „nicht besonders gut“ zu fühlen. Ich fragte nach und sie berichtete mir von den Geschehnissen des Tages und den Gründen für ihre gedrückte Stimmung und Traurigkeit. Anschließend fragte sie mich, wie es mir geht und wie mein Tag war. Und ich antwortete mit „Eigentlich gut…“ oder „Eigentlich hatte ich heute viel Spaß…“ Irgendwie sowas. Sofort habe ich mich an deine Texte erinnert und überlegt, warum ich das „eigentlich“ hier genutzt habe. Ich glaube es hing unter anderem mit meiner Scheu zusammen, auf ihre gedrückte Stimmung mit einem positiven Gegenpol zu reagieren. Hast du Gedanken dazu?

    Ich freue mich auf deine nächsten Texte! Danke!
    LG, Julia!

    • Claudia Berger 3. April 2020 at 11:47

      Liebe Julia, herzlichen Dank – es freut mich sehr, dass dir die Texte Lust machen, deine Gedanken zu beobachten. Du hast damit einen wichtigen Schritt gemacht: In dem Moment, in dem du deine Gedanken beobachtest, bist du nicht mehr vollständig mit ihnen identifiziert. Zu deiner Frage: Schau mal, was du geschrieben hast „… hing unter anderem mit meiner Scheu zusammen … „. Du hast dir die Antwort gegeben. Ich frage meine Klienten immer wieder: Was wären die Konsequenzen? Und gleich danach: Wenn ich dich – als die Erwachsene, die hier sitzt – frage, jetzt gerade, hier, in diesem Moment: „Könntest du mit den Konsequenzen umgehen?“ Was würdest du antworten? Liebe Grüße und viel Freude beim Weiterdenken, Claudia

  • Wooow- die Texte zum Wort “eigentlich “ haben mir sehr gefallen- wie wahr!
    Der achtsame und bewusste Umgang mit Sprache ist in der Tat von großer Wichtigkeit und Wirkung und das egal ob im privaten oder beruflichen…

    Danke-

    Sagt: Anke

    • Claudia Berger 19. März 2020 at 15:21

      Liebe Anke,
      danke für deine Rückmeldung. Mich begeistert dieses kleine Wort immer noch und ich freue mich jetzt jedes Mal, wenn ich es höre (und denke).
      Achtsamkeit und Sprache sind wichtige Säule in unseren Berufen.
      Viele Grüße
      Claudia